Bitcoin eine Fehleinschätzung?

Auch als Investition ist Bitcoin nach wie vor nicht geeignet. Er generiert keinen Cashflow (im Gegensatz zu Immobilien) oder Dividenden (Aktien), kann nicht produktiv genutzt werden (Rohstoffe) und bietet keinen sozialen Nutzen (Goldschmuck) oder eine subjektive Wertsteigerung aufgrund herausragender Fähigkeiten (Kunstwerke). Weniger finanzkundige Kleinanleger werden von der Angst angezogen, etwas zu verpassen, was dazu führt, dass sie möglicherweise ihr Geld verlieren.

 

Bindseil und Schaaf, EZB

 

Die Aussage, dass Bitcoin keinen inneren Wert hat, weil er keine Cashflows generiert, ignoriert jedoch die Tatsache, dass der Wert vieler Vermögenswerte, einschließlich traditioneller Währungen, auf dem Vertrauen und der Akzeptanz der Nutzer basiert. Bitcoin basiert auf einem dezentralisierten Netzwerk, das Vertrauen und Sicherheit durch seine Technologie und nicht durch zentrale Versprechen oder Cashflows schafft. In diesem Sinne ist der Wert von Bitcoin ein Spiegelbild des Vertrauens und der Überzeugung seiner Nutzer in das System.

 

Die Behauptung, dass Investitionen Cashflows generieren müssen, um wertvoll zu sein, ist außerdem eine eingeschränkte und im Grunde auch falsche Sichtweise. Viele Vermögenswerte und insbesondere Gold generieren ebenfalls keine direkten Cashflows, werden aber dennoch als wertvolle Investitionen angesehen. Ihr Wert liegt in ihrer Seltenheit, ihrer historischen Bedeutung und – wie bereits erwähnt – dem daraus resultierenden Vertrauen der Gesellschaft. Ähnlich kann der Wert von Bitcoin in seiner Knappheit, seiner Sicherheit und seiner Rolle als Alternative zu traditionellen Währungen gesehen werden. Wer behauptet, Gold sei wertvoll, weil man daraus Schmuck produzieren oder es in der Industrie verwenden könne, lügt sich selbst an, denn der Produktivwert von Gold ist bekanntermaßen nur ein kleiner Bruchteil dessen, was das Edelmetall heute als Vermögenswert wert ist.

 

Die Behauptung von Bindseil und Schaaf, dass Bitcoin keinen sozialen Nutzen bietet, verkennt gravierend dessen Rolle in Ländern mit instabilen Währungen oder autoritären Regimen. In solchen Kontexten erweist sich Bitcoin als eine entscheidende Alternative zu manipulierten Währungssystemen, indem es Menschen den Zugang zu einem globalen, freien und nicht zensierbaren Geldsystem ermöglicht. Organisationen wie die Human Rights Foundation erkennen Bitcoin nicht von ungefähr als ein „wertvolles Werkzeug zur Wahrung von Menschenrechten“ an, da es Individuen die Möglichkeit bietet, ihr Vermögen vor Inflation und staatlicher Konfiszierung zu schützen. In diesen Regionen kann Bitcoin eine lebensverändernde Technologie sein, die weit über die engen Grenzen traditioneller finanzieller Bewertung hinausgeht. Die Kritik der beiden Banker grenzt dabei an Heuchelei, die nur von gut situierten, männlichen Westeuropäern kommen kann, die sich gar nicht vorstellen können (oder wollen), welchen Nutzen ein globales, freies und nicht zensierbares Geldsystem für viele Menschen weltweit hat.

 

Für Menschen in geschlossenen Gesellschaften oder für alle, die mit Hyperinflation, Kapitalkontrollen, Sanktionen oder finanzieller Überwachung konfrontiert sind, kann Bitcoin ein Werkzeug der Freiheit sein.

 

Human Rights Foundation

 

Und das Mining von Bitcoin mit dem Proof-of-Work-Mechanismus verschmutzt die Umwelt weiterhin in demselben Ausmaß wie ganze Länder, wobei höhere Bitcoin-Preise einen höheren Energieverbrauch bedeuten, da die Miner die höheren Kosten decken können.

 

Bindseil und Schaaf, EZB

 

Auch diese Kritik von Ulrich Bindseil und Jürgen Schaaf bedarf einer differenzierteren Betrachtung, denn so, wie es die beiden Herren darstellen, ist die Aussage schlichtweg falsch. Ihre Gleichsetzung des Stromverbrauchs von Bitcoin mit Umweltverschmutzung vernachlässigt nämlich wichtige Aspekte der Energieproduktion und des CO₂-Ausstoßes.

 

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass hoher Stromverbrauch nicht automatisch gleichbedeutend mit Umweltverschmutzung ist. Der entscheidende Faktor ist, wie der Strom erzeugt wird. Wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind-, Solar- oder Wasserkraft gewonnen wird, ist der damit verbundene CO₂-Ausstoß minimal. Im Gegensatz dazu führt die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen zu hohem CO₂-Ausstoß und trägt natürlich zur Umweltverschmutzung bei.

 

Während der Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks tatsächlich in der Größenordnung kleiner Länder liegt, ist der CO₂-Ausstoß allerdings wesentlich geringer. Viele Bitcoin-Mining-Operationen nutzen bereits erneuerbare Energiequellen oder sind in Regionen angesiedelt, in denen ein Überschuss an erneuerbarer Energie vorhanden ist. Dies reduziert den CO₂-Fußabdruck des Bitcoin-Netzwerks erheblich.